Heinrich Mueller

Heinrich Mueller. Ja, genau: DER Heinrich Mueller, der während eines Vierteljahrhunderts das Gesicht der Tagesschau im Schweizer Fernsehen geprägt hat. Der mit sonorer Stimme souverän fast Abend für Abend die News aus der ganzen Welt in die helvetischen Wohnzimmer brachte. Seither sind ziemlich genau zehn Jahre vergangen. Wie kam es dazu, dass Du Dich nach so langer Zeit wieder der Musik widmest?
Wohl jeder Mensch kommt beim Älter­werden an einen Punkt, an dem er sich fragt, ist das alles gewesen. Bei mir kam dieser Punkt um die Jahrtausendwende. Ich war seit vielen Jahren eingebettet in die «Tagesschau» und spürte immer stärker, dass mit mir noch etwas geschehen muss. Aber was? Da erinnerte ich mich an die Jahre meiner Kindheit und Jugend, als wir viel sangen und musizierten. Ich hatte damals schon eine ganz kleine «Karriere» als Sänger. Ich sagte mir, was man in der Jugend gern machte, kann auch im Alter nicht falsch sein. Und so bin ich nach 40 Jahren Unterbruch wieder Sänger und Musiker geworden. Ich habe nie mehr zurückgeschaut.

Dein neues Album «As long as I can sing» wurde sehr thematisch und abwechslungsreich gestaltet. Welche Gefühle verbindest Du mit den Songs?
Ich möchte den Zuhörenden etwas weitergeben, in Form von kleinen Geschichten, von Gedanken und eigenen Erfahrungen. «As long as I can sing» ist das Album eines Sing-Songwriters, der frei sein möchte, wie er seine einzelnen Lieder gestalten will. Ich will authetisch sein, mit den Texten, der Stimme, mit der Musik. Die Emotionen, die in den Songs liegen, müssen zuerst von mir selber empfunden werden, sonst wirken die Lieder unglaubwürdig. Etwa der Titelsong des Albums «As long as I can sing». Er beschreibt im Kern meine eigene Erfahrung des Älterwerdens: So lange ich noch singen kann, geht es mir gut.

Schreibst Du Deine Texte selber? Wenn ja, wie entstehen solche Texte? Anhand von Ideen, Erlebnissen oder Erfahrungen?
Ja, ich schreibe die Texte selber. Da ich ein interessierter Zeitgenosse bin, viel lese und reise und immer wieder mit spannenden Menschen ins Gespräch komme, geht mir der Stoff wohl nicht aus. Von der Ideenskizze bis zum eigentlichen Songtext ist dann aber noch ein weiter Weg. Text, Stimme, Musik müssen eine Einheit werden, was ständige Veränderungen mit sich bringt. Besonders krass war das beim Lied «On Bahnhofstreet». Gleich mehrmals musste mein Gitarrist und Produzent Robbie Caruso und ich die Musik und den Text neu schreiben, damit schlussendlich das Lied entstand, das wir wollten.

Deinen Werdegang nennst du «Weiterentwicklung». Wie hast Du Dich in diesen Jahren mit Berufungen weiterentwickelt?
Dass wir uns weiterentwickeln, gilt für alle. Dass wir uns zum Besseren weiterentwickeln, ist nicht so klar. Mir selber hat in meiner Entwicklung geholfen, dass ich auf mein Inneres hörte, das mir riet, mich auf neue Herausforderungen einzulassen. Vom Juristen, zum Afrikreisenden, zum Dozenten, Journalisten und Fernsehmoderatoren und jetzt zum Musiker. Viele Menschen nennen diese Wechsel «mutig», aber für mich war es jeweils einfach eine notwendige Fortsetzung. Beim neuen Album – es ist mein fünftes – habe ich unter anderem an der Weiterentwicklung meiner Stimme gearbeitet.

Wie sieht Dein Tagesablauf an Deinem freien Tag aus?
Ich habe es schön. Bei mir ist jeder Tag ein freier Tag. Noch nie im Leben hatte ich die Zeit so gut im Griff wie jetzt. Natürlich gibt das Musikmachen und ein Album veröffentlichen sehr viel Arbeit. Aber niemand schaut mir dabei über die Schultern. Die Stunden, in denen ich etwas machen MUSS, sind selten. Generell kann ich sagen, ich geniesse den Morgen, lese die Zeitung, bin am Nachmittag oft zu Fuss unterwegs, auch in der Stadt und lese in der Nacht fürs Leben gern im Bett.

Was brauchst Du um glücklich zu sein?
Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein, heisst es manchmal. Das stimmt, wenn man die Zufriedenheit meint oder einfach ein schönes Gefühl. In meinem ersten Song im neuen Album – «Happy for a while» – singe ich von einem unbekannten Strassenmusiker in Südfrankreich, der uns für ein paar Stunden mit seiner Musik glückliche Momente bescherte. Aber die wirklich herausragenden Glücksmomente lassen sich bei mir an einer Hand ablesen. z.B. als ich mit 12 Jahren von meinen Eltern an Weihnachten eine Rockgitarre geschenkt bekam. Jetzt konnte ich endlich meinem Idol Elvis nacheifern!

Was wolltest Du schon immer mal tun, hast Dich aber nie getraut?
Ich wollte schon immer mal auf einer Giraffe reiten, mit meinen Händen um ihren Hals. Ob das überhaupt geht, weiss ich nicht. Ich würde mich wohl gar nicht getrauen. Aber die Giraffe gehört nun mal zu meinen Lieblingstieren.

Sowie auch jedes Kind hat man den Traum «wenn ich mal gross bin, dann werde ich…», was war Dein Traum?
Als kleiner Bub wollte ich Stationsvorstand auf einem Bahnhof sein. Die Kelle schwingen, die Pfeife trillern, eine rote Mütze mit einem Streifen auf dem Kopf tragen, und sicherstellen, dass die Züge kommen und gehen. Ich frage mich oft, ob ich deswegen noch immer ein begeisterter Zugfahrer bin.

Wie stellst Du Dir unsere Schweiz in 20 Jahren vor?
Die zwanzig Jahre sind bald. Ich sehe noch immer ein ziemlich schönes Land, vielleicht sogar etwas ruhiger dank der Elektromotoren. Aber bei den Menschen herrscht eine anhaltende Verunsicherung über die Zukunft. Immer mehr ist die Schweiz ein Land wie jedes andere, wird unsolidarischer und muss sich nach der Decke strecken. Die Probleme scheinen immer schwerer zu lösen. Grundlegendes wie genügend Arbeit, freie Bildung und ein umfassendes Gesundheitssystem überfordert die PolitikerInnen. Die Auswirkungen der Klimaveränderungen werden immer offensichtlicher. Viel zu negativ? Hoffentlich.

Erinnerst Du Dich an den peinlichsten Moment in Deinem Leben? Erzähle uns davon
Peinlich ist nicht schlimm, man hat es ja nicht böse gemeint. Nun, wir hatten kürzlich ein befreundetes Ehepaar zum Abendessen eingeladen. Die Frau stammte aus der Karibik. Wir wollten ihr eine Freude machen und kochten ein scharfes Curry mit Chicken und Bananen. Oh Schreck. Die junge Frau liebte weder Pfeffer, noch Hühnchen, noch Bananen. Zum Glück haben wir einen Kühlschrank.

Alle Menschen haben Komplexe, welche hast Du?
Ich meine immer, ich sei ein schlechter Autofahrer. Aber Tatsache ist, ich habe noch nie einen Unfall gemacht.

Zu guter Letzt: was möchtest Du Deinen Fans mitteilen?
Ich danke Euch, liebe Fans. Ihr seid vielleicht nicht mehr ganz jung, aber dafür seid Ihr mutig. Es braucht Mut, um das Rock-Konzert eines seriösen ex-Tagesschau-Moderators zu besuchen. Ihr seid auch neugierig und wollt der Sache auf den Grund gehen. Von dieser Neugier brauchen wir mehr.  Und wenn ich Euch mit unserer Musik überzeugen konnte, dann kommt Ihr wieder. Gerade deshalb liebe ich das, was ich jetzt mache.

Die nächsten Konzerte Live:
11.05.17    Würenlos, Steinhof Bar
8.06.17    Baden, Nordportal (CD Taufe)
09.07.17    Schlatt bei Winterthur Open Air Kirche
21.10.17    Deisswil BE,Mühle
10.11.17    Kulturhotel Guggenheim Liestal
20.01.18    Mühle Hunziken, Rubigen
02.03.18    Biglen BE, Kulturfabrik
28.04.18    Kul-Tour Vögelinsegg Speicher AR

Weitere Infos unter:
www.heinrichmueller.ch

 

Steckbrief

Heinrich Mueller

www.heinrichmueller.ch

Geburtsdatum:  3. Mai 1946

Wohnort: Maur, ZH

Sternzeichen: Stier

Hobbys: Reisen in Europa. Aus dem Zug steigen und wandern, wohin es sich gerade ergiebt. Lesen. Meinen kleinen Garten zum Blühen bringen. (Musik mache ich professionell und ist kein Hobby.

Lebensmotto: Da ich über die Frage nach dem Lebensmotto lange nachdenken muss, habe ich offenbar keines.

 

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